Im Verlauf eines kreativen Prozesses kommen unterschiedliche Denkstile zum Einsatz, um die spezifischen Anforderungen der einzelnen Phasen zu erfüllen. Die vier Hauptrichtungen zu denken sind auch bekannt geworden als die „4 kreativen Geisteshaltungen“ (nach Roger von Oech). Vergleichbar gängigen Einschätzungen zur Persönlichkeit (wie MBTI, H.D.I., DISG, Belbin) entwickelte Michael Luther ein „4 Quadranten-Denkmodell", den IPC - InnovationsPotenzial-Compass. Er analysiert, welche Aufgabenbearbeitungs- und Denk-Präferenzen vorliegen und ermittelt ein Denk-Profil von Einzelpersonen und Teams, das zur Anwendung kommt in Problemlösungs- oder Innovationssituationen.
Die 4 Denkrichtungen sind:
- Aufklärer: strategisch-zielorientiertes Denken (auch Forscher oder Lotse genannt).
- Ideengeber: phantasievoll-visionäres Denken (auch Künstler oder Träumer genannt).
- Optimierer: selektiv-kritisches Denken (auch Richter oder Kritiker genannt).
- Umsetzer: praktisch-handlungsorientiertes Denken (auch Krieger oder Macher genannt).
Vorgehensweise bei der Methode
Besonders nützlich ist ein IPC-Präferenzcheck für Einzelpersonen und Teams vor einem Problemlösungs- oder Ideenprozess, einer klassischen Sitzung, einem Innovationsvorhaben oder einer Ideenmanagementaktivität. Die Beteiligten gewinnen ein Bewusstsein über ihre aktuellen Stärken und vorhandenen Defizite für den weiteren kreativen Prozessablauf.
Grundaussage: Keine dieser Denkarten ist gut oder schlecht, alle vier sind notwendig für die Vollendung des Ideenprozesses. Nur zeigen Einzelpersonen wie auch Teams in der Praxis meist unterschiedliche Vorlieben und Ausprägungen, die durch persönliche Neigungen, Entwicklung, Erziehung, Ausbildung oder weitere Faktoren beeinflusst werden. Dabei handelt es sich oft um wiederkehrende, beständige Muster, die in mindestens einer der 4 kreativen Prozessabschnitte wirksam zum Einsatz kommen, sich aber nicht immer kompatibel zu den Anforderungen der aktuellen Phase verhalten. Ziel einer Denkstil-Analyse ist es, individuelle Präferenzen zu identifizieren und aufzuzeigen, welche Bereiche, bezogen auf den kreativen Denkprozess, bevorzugt und welche vernachlässigt werden.
Hintergrund
Die 4 Denkrichtungen sind nicht angeboren, noch basieren Sie auf genetischer Veranlagung. Es handelt sich um erworbene oder angeeignete bzw. auch vernachlässigte Fähigkeiten, die wie jede Fähigkeit durch unterschiedliche Einflüsse begründet, geprägt und ausgebildet wurde; mögliche Einflüsse können sein: Natürliche Disposition, Erziehung, Ausbildung, Neigung, Berufswahl, Sozialisation, gesellschaftliche oder kulturelle Einflüsse und Weitere mehr. Die Denkrichtungen sind nicht starr, sie können sich im Laufe eines Lebens, ja sogar innerhalb einer kürzeren Zeitperiode wandeln und sind auch situativ abhängig. So zeigen sich z.B. im Beruf oft andere Denkpräferenzen als etwa in der Freizeit.
Auch bedeutet Präferenz nicht Kompetenz. Das heißt, Menschen können eine Kompetenz erwerben auch in nicht-präferierten Bereichen. Das geht allerdings meist einher mit einem deutlich höheren Energieaufwand und nicht stabilen Verhaltensstrukturen.
Meist lassen sich bei Menschen gewisse Muster und wiederkehrende Schwerpunkte identifizieren, die immer wieder in Erscheinung treten und eine individuelle Disposition für einen oder mehrere Denkstile aufzeigen.
All diese Aussagen gelten wahrscheinlich für alle Persönlichkeitsinstrumente/ -checks/ "-tests"; nur werden sie extrem unterschiedlich interpretiert und z.T. auch negiert. Zusammengefasst gilt für den IPC:
- Der IPC beschreibt individuelle Präferenzen für einen oder mehrere Denkstile, die nicht (oder nur vermindert) angeboren, meist aber erworben und sehr deutlich ausgeprägt sind.
- Diese Präferenzen sind deckungsgleich mit den Phasen des kreativen Prozesses und erlauben daher eine zuverlässige Aussage darüber, wie sich eine Person - oder auch ein Team - in einer Phase verhalten wird, welche Stärken bereits vorhanden sind, und wo im Verlauf des kreativen Prozesses wahrscheinlich Defizite auftreten.
- Damit können auf der personalen Seite präzise Trainingsempfehlungen gegeben werden, um etwa vorhandene Defizite auszugleichen - bzw., bezogen auf ein Team, um mögliche "Lücken" zu schließen.
- Auf der prozessualen Seite können verlässliche Aussagen darüber getroffen werden, wo im Verlauf eines Prozesses u.U. Störungen, Defizite oder Reibungen zu erwarten sind und wo es sich ggf. empfiehlt, auf externe Ressourcen zurückzugreifen.
Einsatzformen
Der IPC kommt in 3 Einsatzvarianten zum Einsatz:
- 1) Als Schnell-Check, für einen aktuellen Praxiseinsatz. Zeitdauer für den Selbst-Check: Ca. 10 min..
- 2) Als Online-Starter-Version, für einen Selbst-Test online. Zeitdauer: Ca. 25 min..
- 3) Als Vollversion, für einen umfassenden Denkstil-Präferenz-Check. Zeitdauer: Ca. 45 min..
Nutzen
Auf dem Markt sind viele Persönlichkeitsinstrumente vorhanden, wie MBTI, H.D.I., DISG, Belbin, Enneagramm und etwa 14 weitere. Manche davon sind bereits älteren Datums und entsprechend ausreichend wissenschaftlich belegt und validiert. Der Punkt ist, dass bis auf eine Ausnahme alle Instrumente (weltweit!) für sich alleine stehen, mit einem mehr oder weniger schlüssigen Konzept im Hintergrund, aber ohne Anbindung an einen Prozess oder eine Umsetzungsmethodik.
IPC ist aktuell das einzige Persönlichkeitsinstrument (oft auch Persönlichkeitstest genannt), das vollständig kompatibel ist zu einem Prozessmodell. Er interpretiert die Ergebnisse in Abhängigkeit von den vier Phasen des kreativen Kreislaufs und bietet Einzelpersonen und Teams eine eindeutige Aussage hinsichtlich ihrer zugeordneten Denkpräferenzen. So lassen sich voraussichtliche Stärken wie auch Defizite im Ideenkreislauf aufzeigen und mögliche Folgen für den Problemlösungs- oder Innovationsprozess praktisch prognostizieren.
Praxis-Transfer-Tipps
- Einzeln: Nehmen Sie Ihre/n eigene/n bevorzugte/n Denkstil/e bewusst wahr, bauen Sie Ihre Stärken aus und finden Sie Zugang zu den, Ihnen weniger vertrauten Kapazitäten.
- Team: Seien Sie aufmerksam gegenüber den vorhandenen Denkpräferenzen in Ihrem Team, schaffen Sie Synergien und integrieren Sie benötigte Denkfähigkeiten ggf. aktiv von außerhalb.
- Phasen: Verdeutlichen Sie sich, in welcher Phase des kreativen Prozesses Sie gerade stehen und welche Denkrichtung und Handlungsqualität gerade hier notwendig ist.
IPC ist unser Beitrag zur validen Identifizierung persönlicher Denkstil-Präferenzen und zur praktischen, kompetenten und systematischen Integration der Erkenntnisse in Problemlösungs- und Innovationsprozessoptimierung. Er ist kompatibel zu der Idealog-Methodik und bildet gemeinsam einen einmaligen Praxisnutzen für den Anwender ab.
